Pächter:innen im Porträt: Arno Laube, Brandenburgs ältester Wanderschäfer

Die Bandbreite unserer Pächter:innen, Mieter:innen und Geschäftspartner:innen ist groß. In kurzen Porträts möchten wir einige davon vorstellen. Den Anfang macht ein Gespräch mit Arno Laube.

Herr Laube arbeitet in Rüdersdorf bei Berlin, im Ortsteil Tasdorf. Der Schäfer ist mit seinen über 80 Jahren Brandenburgs ältester Wanderschäfer und einer der ältesten Wanderschäfer Deutschlands. Die BERLINER STADTGÜTER GmbH ist Eigentümerin der Flächen rund um die Schäferei und arbeitet eng mit dem Schäfereibetrieb Laube zusammen. Ziel ist es, die Wanderschäferei vor den Toren Berlins langfristig zu erhalten und die Biodiversität auf den Flächen rund um die Schäferei zu vergrößern.

Herr Laube, Sie arbeiten hier in Tasdorf seit mehr als 50 Jahren als Wanderschäfer. Aktuell haben Sie rund 500 Mutterschafe. Wie hat sich die Wanderschäferei in den letzten 20 Jahren verändert?
Die Wanderschäferei ist die rentabelste Art und Weise, um die Herde durchs Jahr zu bringen. Ich ziehe auch in den Barnim oder nach Märkisch-Oderland. Ich bin überall dort, wo man mich mit meiner Herde haben will. Die Einnahmen sind schlimm geworden. Früher wurden alle Unkosten mit der Wolle gedeckt. Heute ist das ein Verlustgeschäft, nur das Fleisch bringt noch Geld.

Welches sind die größten Herausforderungen?
Das sind die großen Beutegreifer wie der Wolf. Seit der wieder da ist, ist es für den Schäfer, der weit weg von Zuhause hütet, immer gefährlicher geworden. Ich habe schon Weiden verlassen, wo ich wusste, da ist ein Wolf.

Sie haben früher auch bei den Stadtgütern gearbeitet. Wann war das?
1961 habe ich im Gut Hobrechtsfelde gearbeitet. Das hat mir dann nicht mehr so richtig gefallen. Zufällig habe ich in Mehrow einen Wanderschäfer getroffen. Der hat mich an einen Kollegen vermittelt. Dort konnte ich anfangen, gleich mit eigenen 30 Mutterschafen und Nachzucht. Von dem Wollgeld dieser paar Schafe, das ich über vier Jahre verdient hatte, konnte ich als junger Mann ein kleines Einfamilienhaus kaufen. Heute unvorstellbar.

Seit 2021 werden die Tasdorfer Wiesenflächen von den Berliner Stadtgütern als Lebensraum für verschiedene Tierarten des Offenlandes optimiert. Im Rahmen von Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen wurden zum Beispiel Habitate für Zauneidechsen angelegt. In den nächsten 25 Jahren wird die Landschaft mit Schafen und Ziegen für seltene Tier- und Pflanzenarten gepflegt, das übernehmen auch Sie mit Ihren Tieren. Ist die Beweidung im Rahmen dieser Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen ein wichtiges finanzielles Standbein für Sie?
Ja, das ist ein Standbein. Ich finde gut, dass mehr auf die Natur geachtet wird. Ich freue mich über jede Eidechse, die ich sehe. Wenn ich beim Hüten das Nest von einer Feldlerche entdecke, dann mache ich mit meiner Herde einen Bogen. Man muss ein offenes Auge für die Natur haben, wenn man als Schäfer draußen steht. Es heißt nicht umsonst, Schäfer-Sein kannste nicht lernen. Entweder hast du es oder du hast es nicht.

Die Interessengemeinschaft Schäferei Rüdersdorf unterstützt Sie und setzt sich für den Erhalt Ihrer Schäferei ein. Zum Beispiel mit Bildungs- und Erlebnisangeboten für Kinder und Jugendliche. Wie erleben Sie den Austausch mit der jungen Generation?
Ich finde das Interesse der Kinder an der Schäferei gut. Vielleicht wird so der eine oder die andere neugierig auf den Beruf. Wir haben dolle Nachwuchssorgen. Das Durchschnittsalter ist über 60, dabei ist der Beruf körperlich sehr schwer.

Vielen Dank für das Gespräch!

Weitere Informationen zur Historischen Schäferei Rüdersdorf hier; Informationen zur Schäferei Laube und der Interessengemeinschaft Schäferei Rüdersdorf hier.

Fotos © BERLINER STADTGÜTER GmbH